Stell dir vor: Du bist Geflügelbauer. Eier hast du mehr als genug. Schuhe brauchst du dringend. Jetzt musst du einen Schuhmacher finden, der genau in diesem Moment Eier will. Hat er aber gerade genug davon und braucht lieber Mehl, hast du ein Problem. Volkswirte nennen das die «doppelte Übereinstimmung der Bedürfnisse» (englisch: double coincidence of wants). Das ist der Grund, warum Geld erfunden wurde.
Geld ist der gemeinsame Nenner, den alle akzeptieren. Aus zwei unlösbaren Tauschproblemen werden zwei einfache Käufe. Das klingt banal. Es war aber eine zentrale Voraussetzung für den Welthandel – neben Transport und verlässlichen Institutionen.
Geld wurde nicht plötzlich erfunden. Es hat sich entwickelt – immer als Antwort auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit. Muscheln, Salz (daher übrigens das Wort «Salär»), Vieh. Was knapp und begehrt war, wurde als Tauschmittel genutzt. Dann kamen Gold und Silber. Knapp, haltbar, teilbar – und sie korrodierten nicht. Der lydische König Krösus prägte um ca. 550 v. Chr. die ersten standardisierten Gold- und Silbermünzen und schuf damit das erste bimetallische Währungssystem der Geschichte. Die allerersten Münzen Lydiens (heutige Türkei) entstanden bereits um 650–600 v. Chr. unter Krösus’ Vater Alyattes II., bestanden aber aus Elektrum (oder Elektron), einer natürlichen Gold-Silber-Legierung.
In Europa kamen Banknoten im 17. Jahrhundert. In China gab es Papiergeld schon im 11. Jahrhundert. Ursprünglich waren es oft Quittungen oder Ansprüche auf eingelagerte Werte. Praktisch, weil leichter. Funktionierte, solange das Vertrauen in die Bank hielt.
Dann kamen drei Daten, die alles verändert haben:
Was Geld leisten muss, hat Aristoteles in wichtigen Grundzügen beschrieben: Geld macht Tausch und Vergleichbarkeit möglich. Die moderne Volkswirtschaft fasst daraus drei Funktionen zusammen. Sie gelten bis heute – egal ob Muschel oder Bitcoin.
Aus den drei Funktionen lassen sich sechs Kriterien ableiten. Sie haben sich historisch entwickelt und bewährt: Knappheit, Haltbarkeit, Teilbarkeit, Übertragbarkeit, Anerkennung und Fälschungssicherheit. Sie galten für Goldmünzen – und sie gelten für Bitcoin.
Jetzt der interessante Vergleich: Wie schneiden CHF, Gold und Bitcoin ab?
Die SNB-Bilanzsumme ist von rund 214 Milliarden CHF Ende 2008 auf rund 893 Milliarden CHF Ende 2025 gewachsen.
Gold ist knapp, haltbar und kaum fälschbar – aber im Alltag kaum praktikabel. Einen Goldbarren teilen, um Brötli zu kaufen? Eher nicht.
Bitcoin vereint die Knappheit von Gold mit einer mathematisch begrenzten Ausgabe von knapp 21 Millionen Coins und der Praktikabilität digitaler Werte. Die Akzeptanz ist noch im Aufbau. Wie schnell sie wächst, hängt davon ab, was man misst: Nutzer, Händler, Börsenliquidität, On-chain-Transaktionen oder Lightning.
Viel. Wer versteht, was Geld ist und was gutes Geld ausmacht, muss Bitcoin nicht als Glaubensfrage behandeln. Er kann es messen. An denselben Funktionen und Eigenschaften, mit denen wir auch andere Geldformen messen.
Genau das schauen wir uns im nächsten Artikel an.
Quellen