Ein orangefarbenes Bitcoin-Symbol neben dem Text "BTC4you" auf schwarzem Hintergrund.

19.05.2026  | Lesedauer ca. 6 Minuten | BTC4you Blog

Stell dir vor: Du bist Geflügelbauer. Eier hast du mehr als genug. Schuhe brauchst du dringend. Jetzt musst du einen Schuhmacher finden, der genau in diesem Moment Eier will. Hat er aber gerade genug davon und braucht lieber Mehl, hast du ein Problem. Volkswirte nennen das die «doppelte Übereinstimmung der Bedürfnisse» (englisch: double coincidence of wants). Das ist der Grund, warum Geld erfunden wurde.

Geld ist der gemeinsame Nenner, den alle akzeptieren. Aus zwei unlösbaren Tauschproblemen werden zwei einfache Käufe. Das klingt banal. Es war aber eine zentrale Voraussetzung für den Welthandel – neben Transport und verlässlichen Institutionen.


Zwei Diagramme nebeneinander; links zeigt das Problem des Tauschhandels mit drei Personen und Sprechblasen mit Schuhen, Brot und Kleidung, rechts die Lösung mit Geld als Vermittler zwischen den Personen.

Von Muscheln zu Münzen

Geld wurde nicht plötzlich erfunden. Es hat sich entwickelt – immer als Antwort auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit. Muscheln, Salz (daher übrigens das Wort «Salär»), Vieh. Was knapp und begehrt war, wurde als Tauschmittel genutzt. Dann kamen Gold und Silber. Knapp, haltbar, teilbar – und sie korrodierten nicht. Der lydische König Krösus prägte um ca. 550 v. Chr. die ersten standardisierten Gold- und Silbermünzen und schuf damit das erste bimetallische Währungssystem der Geschichte. Die allerersten Münzen Lydiens (heutige Türkei) entstanden bereits um 650–600 v. Chr. unter Krösus’ Vater Alyattes II., bestanden aber aus Elektrum (oder Elektron), einer natürlichen Gold-Silber-Legierung.


In Europa kamen Banknoten im 17. Jahrhundert. In China gab es Papiergeld schon im 11. Jahrhundert. Ursprünglich waren es oft Quittungen oder Ansprüche auf eingelagerte Werte. Praktisch, weil leichter. Funktionierte, solange das Vertrauen in die Bank hielt.

Diagramm mit der Überschrift "Die Evolution des Geldes", zeigt sechs Symbole: Tauschhandel, Naturalgeld, Münzen, Banknoten, Digitalgeld und Bitcoin, jeweils mit einem Zeitrahmen.

Dann kamen drei Daten, die alles verändert haben:


1944 – Bretton Woods. Der US-Dollar wird an Gold gebunden (35 USD je Feinunze), alle anderen Währungen an den Dollar. Auch der Schweizer Franken – indirekt.


1971 – Nixon-Schock. Nixon hebt die Goldbindung des Dollars auf. Einseitig, angeblich temporär. «Temporär» dauert bis heute an. Formal zerfällt Bretton Woods danach weiter; spätestens 1976 ist das System mit den Jamaica Accords Geschichte. Seither sind alle grossen Währungen Fiat-Geld. «Fiat» heisst auf Latein sinngemäss «es geschehe». Der Wert entsteht nicht durch Golddeckung, sondern durch Vertrauen, Akzeptanz, Steuerpflicht und Rechtsordnung.


2000 – Die Schweiz gibt nach. Mit der Verfassungsänderung von 1999 und der Umsetzung 2000 verzichtet die Schweiz auf die Goldbindung ihrer Währung. Der Franken wird zum reinen Vertrauensgeld.




Drei Funktionen

Was Geld leisten muss, hat Aristoteles in wichtigen Grundzügen beschrieben: Geld macht Tausch und Vergleichbarkeit möglich. Die moderne Volkswirtschaft fasst daraus drei Funktionen zusammen. Sie gelten bis heute – egal ob Muschel oder Bitcoin.


Tauschmittel. Du arbeitest, bekommst Franken, kaufst Brötli. Kein Rätselraten mehr, wer was will.


Wertaufbewahrung. Was du heute verdienst, soll morgen noch ungefähr gleich viel wert sein. Der Franken schafft das leidlich: Im langjährigen Schnitt verliert der CHF rund 1.5 % Kaufkraft pro Jahr – gemessen am Durchschnitt der letzten 20 Jahre. Das heisst in 20 Jahren verliert der Franken 25 % seiner Kaufkraft. In anderen Ländern sieht das deutlich schlimmer aus.


Recheneinheit. Ist ein Auto mehr wert als 4'000 Kaffee? Mit dem Massstab «CHF» sofort berechenbar. Ohne ihn nicht.

Diagramm mit der Überschrift "Die drei Funktionen des Geldes", zeigt CHF in der Mitte, verbunden mit drei Kreisen: 1. Tauschmittel, 2. Wertaufbewahrung, 3. Recheneinheit.

Was «gutes» Geld ausmacht

Aus den drei Funktionen lassen sich sechs Kriterien ableiten. Sie haben sich historisch entwickelt und bewährt: Knappheit, Haltbarkeit, Teilbarkeit, Übertragbarkeit, Anerkennung und Fälschungssicherheit. Sie galten für Goldmünzen – und sie gelten für Bitcoin.

Ein Diagramm mit sechs Eigenschaften von "gutem" Geld: Knappheit, Haltbarkeit, Teilbarkeit, Übertragbarkeit, Anerkennung, Fälschungssicherheit. Jede Eigenschaft hat ein Symbol und eine kurze Beschreibung.

Jetzt der interessante Vergleich: Wie schneiden CHF, Gold und Bitcoin ab?


Die SNB-Bilanzsumme ist von rund 214 Milliarden CHF Ende 2008 auf rund 893 Milliarden CHF Ende 2025 gewachsen.


Gold ist knapp, haltbar und kaum fälschbar – aber im Alltag kaum praktikabel. Einen Goldbarren teilen, um Brötli zu kaufen? Eher nicht.


Bitcoin vereint die Knappheit von Gold mit einer mathematisch begrenzten Ausgabe von knapp 21 Millionen Coins und der Praktikabilität digitaler Werte. Die Akzeptanz ist noch im Aufbau. Wie schnell sie wächst, hängt davon ab, was man misst: Nutzer, Händler, Börsenliquidität, On-chain-Transaktionen oder Lightning.

Vergleichstabelle von Schweizer Franken, Gold und Bitcoin mit Bewertungspunkten in den Kategorien Knappheit, Teilbarkeit, Haltbarkeit, Übertragbarkeit, Anerkennung und Fälschungssicherheit.

Was das mit Bitcoin zu tun hat

Viel. Wer versteht, was Geld ist und was gutes Geld ausmacht, muss Bitcoin nicht als Glaubensfrage behandeln. Er kann es messen. An denselben Funktionen und Eigenschaften, mit denen wir auch andere Geldformen messen.


Genau das schauen wir uns im nächsten Artikel an.

Quellen

  • Schweizerische Nationalbank: Geschichte der SNB. snb.ch
  • Bundesamt für Statistik (BFS): Landesindex der Konsumentenpreise. bfs.admin.ch
  • Schweizerische Nationalbank: Datenportal. snb.ch
  • Ammous, S. (2018): Der Bitcoin-Standard – Die dezentrale Alternative zum Zentralbankensystem. Link zu Orell Füssli
Ein orangefarbenes Bitcoin-Symbol neben dem Text "BTC4you" auf schwarzem Hintergrund.

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