Woher kommt das Geld auf deinem Konto? Die meisten würden sagen: von der Nationalbank. Oder vom Staat. Beides ist falsch. Die Antwort ist überraschender – und ein bisschen unangenehm.
Geld entsteht heute vor allem dort, wo du einen Kredit aufnimmst. Nicht in einem Tresor, nicht auf einer Druckmaschine. Buchhalterisch. Aus dem Nichts.
Wenn deine Bank dir einen Kredit von CHF 100'000 gewährt, entnimmt sie diesen Betrag nicht aus einem Topf. Sie schreibt ihn einfach deinem Konto gut. Damit entsteht neues Geld – buchhalterisch, per Mausklick. Volkswirte nennen das Giralgeld oder Buchgeld.
Dieses System nennen viele Teilreserve-Banking. Präziser: Banken schaffen bei der Kreditvergabe Sichteinlagen (Geldbetrag auf deinem Bankkonto, über den du jederzeit verfügen kannst). Aber nicht grenzenlos. Sie schauen auf Risiko, Zinsen, Abzüge, Liquidität und Eigenmittel.
Zur Einordnung: In der Schweiz machte Bargeld Ende 2024 rund 6 Prozent der breiten Geldmenge M3 aus. Der grosse Rest ist Buchgeld. Kein Papier, kein Metall. Nur ein Eintrag in einer Bankbilanz.
Im Zentrum des Geldsystems steht die Zentralbank. In der Schweiz ist das die Schweizerische Nationalbank (SNB). Sie setzt den Leitzins, stellt Banken Liquidität bereit und greift bei Bedarf am Devisenmarkt ein.
Die SNB ist unter Zentralbanken ein echter Sonderfall. Ab 2016 überstieg ihre Bilanzsumme erstmals das Schweizer Bruttoinlandprodukt und wuchs weiter. 2021 erreichte sie mit CHF 1'057 Milliarden ihren Höchststand: fast das 1,4-Fache dessen, was die gesamte Schweizer Wirtschaft in einem Jahr erzeugt. Um den Frankenkurs zu drücken, kaufte die SNB massenhaft Euro und Dollar, bezahlt mit neu geschaffenen Franken.
Ein Teil dieser Reserven steckt übrigens in Aktien. Ende 2024 waren es rund CHF 183 Milliarden. Darunter grosse US-Titel wie Apple und Microsoft.
Inflation bedeutet: Dein Geld wird weniger wert. Nicht plötzlich, sondern schleichend. Jahr für Jahr.
CHF 100, die du 1970 gespart hast, hatten 2024 noch eine Kaufkraft von rund CHF 32. In 54 Jahren ist der Wert um fast 70 Prozent gesunken. Und das gilt für die Schweiz, eine der stabilsten Währungen der Welt. In Deutschland, wo zuerst die Mark und dann der Euro standen, hat die Kaufkraft seit 1970 um rund 76 Prozent abgenommen.
Das Bundesamt für Statistik misst die Inflation mit dem Landesindex der Konsumentenpreise (LIK), einem Warenkorb von rund 1'050 Waren und Dienstleistungen. Alltagskosten sind nicht immer so sichtbar, wie wir sie spüren. Mieten sind im LIK enthalten. Krankenkassenprämien nicht. Dort misst der LIK die Preise von Gesundheitsleistungen und Produkten, nicht die Prämien selbst. Die gefühlte Teuerung kann deshalb höher sein als die offizielle Zahl.
Selbst bei 2 Prozent Inflation jährlich verliert ein Sparguthaben über 30 Jahre knapp 45 Prozent seiner realen Kaufkraft. Wer sein Geld unverzinst auf dem Konto lässt, verliert real an Vermögen. Schleichend, aber sicher. Das ist eine stille Steuer.
Seit der Finanzkrise 2008 wurde ein Instrument breit bekannt: Quantitative Easing, kurz QE. Auf Deutsch: quantitative Lockerung (oder populärerer "Geldmengenausweitung").
Die Zentralbank kauft massenhaft Staatsanleihen – und bezahlt dafür mit Reserven, die sie buchhalterisch neu erschafft. Kein Tresor, keine Druckmaschine. Ein Buchungssatz. Das Ziel: Die Wirtschaft mit Liquidität versorgen, die Zinsen tief halten.
2020 hat die COVID-Krise eine neue Welle ausgelöst. Die US-Fed und die EZB kauften in grossem Stil Wertpapiere. Die SNB kaufte vor allem Fremdwährungen, um den Franken zu bremsen und Deflationsdruck zu verhindern. Die Geldmenge M1, also Bargeld plus Sichteinlagen, stieg in der Schweiz 2020 und 2021 deutlich, fiel 2022 aber bereits wieder. In der Eurozone erreichte M1 2022 einen Höchststand. Was dann kam, überraschte viele Ökonomen: die höchste Inflation seit Jahrzehnten.
Jetzt wird das Puzzle klarer. Geld entsteht durch Kredit. Zentralbanken können die Geldmenge beliebig ausweiten. Inflation ist kein Zufall, sondern ein Systemmerkmal.
Bitcoin entstand 2008, mitten in der globalen Finanzkrise. Die Grundidee: Ein Geldsystem ohne Zentralbank. Ohne Vertrauen in Finanzintermediäre (Banken und Zahlungsdienstleister). Mit einem Angebot, das die Konsensregeln auf maximal 21 Millionen Coins begrenzen. Kein Mausklick und kein Buchungssatz kann das innerhalb dieser Regeln ändern. Wer die Grenze ändern will, müsste die Regeln ändern und das Netzwerk überzeugen.
Ob Bitcoin als Kaufkraftschutz taugt, ist eine berechtigte Frage. Die Antwort darauf schauen wir uns im nächsten Artikel an.
Quellen