Ein orangefarbenes Bitcoin-Symbol neben dem Text "BTC4you" auf schwarzem Hintergrund.

Teil 4: Wie funktioniert Bitcoin?

04.06.2026  | Lesedauer ca. 6 Minuten | BTC4you Blog

Stell dir vor: Du führst gemeinsam mit allen Nachbarn im Quartier ein Haushaltsbuch. Jeder darf darin lesen. Niemand darf etwas ausradieren. Und jeder hat eine eigene Kopie zuhause.


Genau das ist Bitcoin im Kern.


Kein Server irgendwo in einem Rechenzentrum, dem du blind vertrauen musst. Keine Bank, die entscheidet, ob deine Überweisung durchgeht. Stattdessen: Tausende Computer weltweit, die sich gegenseitig auf die Finger schauen.


Wie das technisch funktioniert? Das schauen wir uns jetzt an. Vier Ideen, die zusammen ein System ergeben, dessen Protokoll bis heute nicht dauerhaft kompromittiert wurde.

Die Blockchain – eine Kette, die niemand brechen kann

Bitcoin-Transaktionen werden nicht in einer einzigen Datenbank gespeichert. Sie werden in Blöcken gesammelt und diese Blöcke werden aneinandergekettet, daher der Name Blockchain.


Jeder Block enthält Transaktionen, einen Zeitstempel, die Merkle Root (Prüfsumme aller Transaktionen) und den kryptografischen «Fingerabdruck» (Hash) des vorherigen Blocks. Dieser Fingerabdruck ist entscheidend. Er verkettet alle Blöcke miteinander.


Was passiert, wenn jemand einen alten Block fälschen will? Sein Fingerabdruck ändert sich. Damit ändert sich auch der Fingerabdruck des nächsten Blocks, und des übernächsten. Die gesamte Kette passt nicht mehr zusammen. Das Netzwerk erkennt den ungültigen Block und lehnt ihn ab.


Heute umfasst die Blockchain alle Bitcoin-Transaktionen seit dem allerersten Block vom 3. Januar 2009, rund 744 Gigabyte an Daten (Stand 1. Juni 2026). Jeder Mensch weltweit kann sie einsehen, zum Beispiel auf mempool.space. Es gibt keine Geheimnisse im Kassenbuch, nur Pseudonyme.

Diagramm mit fünf Blöcken, die durch Kettensymbole verbunden sind, beschriftet als Block 1 bis Neuer Block. Text oben: "Alle Transaktionen seit 2009 – öffentlich & unveränderbar." Text unten: "Jeder Block enthält den Fingerabdruck des vorherigen. Ändert man einen, bricht die ganze Kette."

Mining – wer darf den nächsten Block schreiben?

Miner, so nennt man die Teilnehmer, die neue Blöcke produzieren, müssen ein kryptografisches Rätsel lösen. Sie suchen eine Zufallszahl, die zusammen mit den Blockdaten einen Fingerabdruck ergibt, der bestimmte Bedingungen erfüllt. Es gibt keinen Denkweg. Man muss einfach so lange Zahlen ausprobieren, bis man die richtige gefunden hat. Das braucht viel Rechenleistung. Und damit Strom.


Wer das Rätsel als Erster löst, darf den Block zur Kette hinzufügen. Als Belohnung erhält er neu erschaffene Bitcoin. Aktuell sind das 3.125 BTC pro Block, Stand: nach dem Halving im April 2024. Dazu kommen Transaktionsgebühren der Nutzerinnen und Nutzer.


Alle 2'016 Blöcke, also ungefähr alle zwei Wochen, passt das Netzwerk die Schwierigkeit des Rätsels automatisch an. So wird im Durchschnitt etwa alle zehn Minuten ein neuer Block gefunden. Kommen mehr Miner dazu, wird das Rätsel schwieriger. Verlassen Miner das Netzwerk, wird es einfacher.


Diese Selbstregulierung läuft seit 2009. Bitcoin hatte historische Software- und Konsensvorfälle, aber keinen dauerhaften Bruch der heutigen Blockchain.


Die Gesamtmenge ist fest begrenzt: Alle 210'000 Blöcke, etwa alle vier Jahre, halbiert sich die Block-Belohnung. Das nennt man Halving. Bis zum 2. Juni 2026 wurden rund 20.04 Millionen der maximal 21 Millionen Bitcoin erzeugt. Die letzten werden voraussichtlich um das Jahr 2140 geschürft.

Infografik über Bitcoin-Mining mit drei Abschnitten: links Symbole von Computern mit Text über Miner, in der Mitte ein Puzzlesymbol mit Text über kryptografische Rätsel, rechts ein Bitcoin-Symbol mit Text über Belohnung von 3.125 BTC.

Nodes – niemand hat das Sagen

«Wo ist Bitcoin gespeichert? Auf welchem Server?»


Auf keinem einzigen. Und gleichzeitig auf Tausenden.


Ein Node ist ein Computer, der eine vollständige Kopie der Blockchain speichert und alle Transaktionen selbstständig prüft. Nodes sind die eigentlichen Hüter des Netzwerks. Sie prüfen jeden Block, den ein Miner einspeist, und lehnen ungültige Blöcke ab.


Kein Hochleistungsrechner nötig: Ein handlicher Mini-Computer wie ein Raspberry Pi mit rund einem Terabyte Speicher reicht. Mehr Speicherreserve ist sinnvoll, weil die Blockchain weiter wächst. In der Schweiz betreiben über 200 erreichbare Nodes das Bitcoin-Netzwerk mit. Persönlich setze ich einen Mac mini M2 mit einem externen 2 Terabyte Speicher  ein.


Das ist der Kern der Dezentralisierung: Es gibt keine zentrale Stelle, die man einfach abschalten, hacken oder unter Druck setzen könnte. Ein einzelner Staat könnte Bitcoin stark einschränken. Das globale Netzwerk würde dadurch aber nicht automatisch verschwinden. Diese Eigenschaft schätzen besonders Menschen in Ländern mit instabilen Währungen oder politisch unsicheren Verhältnissen.

Weltkarte mit verbundenen Punkten, die ein Netzwerk darstellen, und Text in Orange oben.

Warum Bitcoin nicht kopierbar ist

«Kann ich Bitcoin einfach kopieren wie eine Datei?»


Nein. Und genau das ist die eigentliche Erfindung.


Das Problem digitaler Währungen war bis 2008 das sogenannte Double-Spending (Doppelausgabe): Eine digitale Datei lässt sich beliebig kopieren. Wie verhindert man, dass jemand denselben digitalen Franken zweimal ausgibt? Die bisherige Lösung: Eine Bank führt Buch. Satoshis Lösung: das gesamte Netzwerk führt Buch, gemeinsam, öffentlich, überprüfbar.


Sobald eine Transaktion in einem Block bestätigt ist, kann dieselbe Münze nicht einfach ein zweites Mal ausgegeben werden. Mit jeder weiteren Bestätigung wird eine nachträgliche Änderung teurer und unwahrscheinlicher. Das Netzwerk erkennt den zweiten Versuch und lehnt ihn ab.


Um die Blockchain gezielt umzuschreiben, bräuchte ein Angreifer mehr Rechenleistung als die ehrlichen Miner zusammen, eine sogenannte 51%-Attacke. Angesichts des heutigen Mining-Netzwerks wäre das extrem aufwendig. Und selbst wenn es gelänge: Der Angreifer würde vermutlich auch das Vertrauen in das angegriffene System beschädigen.


Man nennt diesen Mechanismus Proof-of-Work (Arbeitsnachweis). Nicht «glaub mir», sondern «beweisbar geleistete Arbeit».

Diagramm mit Text über Bitcoin-Sicherheit, zeigt eine Person, ein Schild mit "Proof of Work" und eine Kette von Blöcken. Auf der rechten Seite ein Bitcoin-Symbol in einem Schild und eine Liste von Sicherheitsmerkmalen.

Was das bedeutet

Blockchain, Mining, Nodes, Proof-of-Work. Vier Konzepte, die zusammen ein System ergeben, das ohne Vertrauen in eine zentrale Instanz auskommt.


Kein Vorstand, kein CEO, keine Zentrale. Kein Schalter, den man einfach umlegen könnte. Kein Bitcoin-Konto auf Protokollebene, das eine zentrale Stelle einfrieren kann. (Aber Achtung: Bei Börsen und Verwahrern ist das anders.)


Das Wort dafür heisst «trustless», nicht im Sinne von «unzuverlässig», sondern im Sinne von «kein Vertrauen nötig». Kryptografie und Proof-of-Work übernehmen die Prüfung, die bei digitalen Zahlungen sonst eine zentrale Stelle übernehmen muss.


Im kommenden nächsten Artikel geht es um die praktische Frage: Wie verwahre ich Bitcoin sicher? Was ist ein Private Key? Und warum gilt «not your keys, not your coins»?

Quellen

Ein orangefarbenes Bitcoin-Symbol neben dem Text "BTC4you" auf schwarzem Hintergrund.

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